Abt Dr. Mauritius Wilde (OSB) von der Benediktinerabtei Maria Laach ist überzeugt: "Die Bedeutung von Klöstern wächst." In "turbulenten Zeiten mit vielfältigen Dauer-Krisen" zeige sich bei einer wachsenden Zahl von Menschen "eine starke Sehnsucht nach Abstand zum Chaos - der Wunsch zur Besinnung auf das Wesentliche". Dieser Trend mache sich auch in Maria Laach bemerkbar, erklärte Wilde am Freitag (6.) vor Journalisten in der jahrhundertealten Benediktinerabtei am Rande der Vulkaneifel im Norden von Rheinland-Pfalz.
Die verwirrende Weltlage mit der pessimistischen Grundstimmung in der Gesellschaft Deutschlands mache offenbar viele Menschen müde, erschöpft oder antrieblos. Zugleich wachse das Interesse an Tagen der Ruhe und der Besinnung in Klöstern: "Viele Menschen fasziniert der Alltag der Mönche mit ihren festgelegten Gebetszeiten, die dem Klosterleben seit Jahrhunderten eine felsenfeste Struktur geben - auch wenn sich außerhalb der Klostermauern die geopolitische Situation dramatisch verändert und Krisen, Konflikte und Kriege die Menschen in Atem halten."
Wilde hofft auf "neue Welle" - weiteres Hoffnungssignal?
Diese Faszination von Klöstern zeige sich auch bei jungen Menschen: "Viele spüren eine Sehnsucht, wollen den Alltag unserer Gemeinschaft näher kennenzulernen, besuchen „Tage im Kloster“ - prüfen, ob diese Lebensweise auch für sie eine Perspektive sein könnte. Und einige signalisieren ihre Bereitschaft, das zunächst auszuprobieren und - wenn sich das bewährt - dem Benediktinerorden beizutreten, um dauerhaft ein Leben im Kloster zu führen". Abt Mauritius freut sich sehr über "Nachwuchs" in Maria Laach: Es gibt neben jungen Männern, die ein Gelübde auf Zeit ablegen (ohne endgültige Bindung an die Ordensgemeinschaft - "zeitliche Profess") auch neue Novizen, Postulanten sowie weitere Interessenten. So könne sich eine "neue Welle" entwickeln, die für die Zukunftsperspektiven der vor mehr als 800 Jahren erbauten Abtei ein weiteres Hoffnungssignal wäre. Dies passe zu Aufschwung-Anzeichen in der “Generation Z”, die bereits in anderen europäischen Ländern, wie zum Beispiel Frankreich (“renouveau spirituel”) beobachtet werden. Auch wenn Langzeitdaten auf eine anhaltende Säkularisierung hindeuten und die aktuellen Signale nicht als ”breite Wende” überinterpretiert werden dürfen: Die Benediktiner in Maria Laach möchten diese Entwicklungen mit ihrem täglichen Gebet und Aufmerksamkeit begleiten.
Der 60 Jahre alte Benediktinerpater Mauritius Wilde war im Oktober 2025 zum Abt ernannt worden und gemeinsam mit Pater Maximilian Krenn (OSB) nach Maria Laach gekommen, der als Prior (Stellvertreter des Abtes) tätig und nun Ansprechpartner für Interessenten ist - offenbar mit Erfolg. In einer ersten Analyse der Startphase ("100-Tage-Bilanz") zeigt sich das neue Führungsduo zuversichtlich: "Wir hatten in der Klostergemeinschaft einen guten Start - aber es gibt 2026 und in den kommenden Jahren enorm viel zu tun, um die Zukunftssicherung des Klosters weiter voranzubringen.“ Dabei gehe es vor allem darum, „brüderlich auf dem Weg“ zu bleiben.
Charisma Gastfreundschaft: Maria Laach als Ort des Dialogs
Zugleich muss auch die wirtschaftliche Basis des Klosters mit seinen vielen - unter Denkmalschutz stehenden - Gebäuden langfristig gesichert werden. "Wir sind finanziell nicht auf Rosen gebettet", beschreibt Abt Mauritius die Situation. Die Zahl der Ordensleute ist in den zurückliegenden Jahrzehnten kräftig gesunken - die Zahl der Beschäftigten in den Betrieben gewachsen. Auch wenn in der Tourismus-Hochsaison an einigen Tagen des Jahres hunderte Gäste die Klosteranlage besuchen, sich in der Gastronomie verwöhnen lassen oder in der Kloster-Buchhandlung einkaufen: Das Management der Klosterbetriebe ist eine komplexe Herausforderung, zumal auch Maria Laach nicht vor den Entwicklungen in der Gesellschaft insgesamt geschützt ist. Das von Kaufzurückhaltung geprägte Konsumklima macht sich überall im Buchhandel bemerkbar - der Verkauf religiöser Literatur ist überdurchschnittlich stark eingebrochen.
Was die Benediktiner traditionell prägt, ist ihre Gastfreundschaft. Dieses besondere Charisma will Abt Mauritius mit seinem Team um Geschäftsführer Jörg Neumann nutzen - nicht nur bei Tagesgästen, im Gästehaus und dem Hotel. Das Kloster am Laacher See könnte verstärkt zu einem Ort des Dialoges für Menschen werden, die besser vernetzt sein sollten. Beispiel dafür war ein Ärztetag, bei dem kürzlich Mediziner der unterschiedlichsten Spezialdisziplinen in Maria Laach miteinander in einen Austausch kamen.
Erfahrungsschatz heben: Vom "Wert des Alleinseins"
Abt Mauritius sieht einen besonderen Auftrag darin, als Kirche in die Gesellschaft hineinzuwirken: "Das Evangelium hat uns heute viel zu sagen." Dies werde einmal mehr bei den "Fastenpredigten 2026" in Maria Laach deutlich werden. Die Abtei will mit ihren christlichen Impulsen gesellschaftliche Diskussionen bereichern - zum Beispiel, wenn es um Themen des Zusammenlebens, um Werte wie Respekt, um den Umgang mit Sterben und Tod sowie um den Umgang mit Leiden und Schmerz geht. Zudem könnten durch die Angebote des Benediktinerklosters viele Gäste und Nachbarn von Maria Laach von den Erfahrungsschätzen des Mönchtums profitieren - etwa mit Blick auf den Umgang mit Emotionen und Gedanken, auf den "Wert des Alleinseins" und "Gotteslob als Lebenssinn". Abt Mauritius: „Allein sich für Gott Zeit zu nehmen und zu singen und ihn zu loben“ ist eine sinnvolle Tätigkeit in unserer Zeit und Welt.“ Denn Überlegungen und Entscheidungen, die aus dem Gebet kommen, sind nach seiner Überzeugung „nachhaltiger und menschenfreundlicher“.
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Er ist überzeugt: Die Bedeutung von Klöstern wächst wieder ... Mauritius Wilde (OSB) – der Abt der Benediktinerabtei Maria Laach.
